Erschienen im Entlebucher Anzeiger am 30.12.03

Stimmungsvoll und festlich

Weihnachtskonzert des Entlebucher Brass Ensembles

Höhepunkt des Nachmittags war das Posaunensolo «Morceau Symphonique op. 88» mit Gregor Kreyenbühl als hervorragendem Solisten.

Text und Bilder Markus Felder

Am Donnerstag, 25. Dezember, führte das Entlebucher Brass Ensemble an seinem traditionellen Weihnachtskonzert in der katholischen Kirche Wiggen stimmungsvolle Werke auf. Der erste Konzertteil bestand aus Kompositionen der Renaissance und des Barock. Den Auftakt machten «Canzon Duodezimi Toni» (Giovanni Gabrieli; arr. Matthias Linke) und «Old French Dances» (Claude Gervaise, Pierre d'Attaignant; arr. Peter Reeve). Für beide Darbietungen stellte sich das Entlebucher Brass Ensemble (EBE) unter der Leitung von Ueli Wigger gegliedert in einen hohen und einen tiefen Chor auf, um die Wirkung klanglich und optisch zu verstärken. Die Interpretation wirkte festlich, leichtfüssig und pointiert. Allerdings dürften die tiefen Temperaturen im Kirchenraum wesentlich mitverantwortlich gewesen sein, dass die Intonation anfangs nicht leicht fiel.

Andächtige Fugen
Nach dem «Pastorale» (Arcangelo Corelli; arr. Robert King) wagte sich das EBE an die «Prelude and Fuge» (Johann Sebastian Bach; arr. Howard Snell) heran. Die Komposition stellte für die Besetzung des EBE eine Herausforderung dar, da im Fugenteil jeder Einzelne quasi zum Solisten wird. Die heiklen Passagen wurden konzentriert gemeistert, kleine Unsicherheiten umgehend überwunden. Der Klang wirkte warm, ausgeglichen und transparent.
Als Abschluss des ersten Teils stand eine weitere Fuge auf dem Programm, die «Petite Fuge» (Georg Friedrich Händel; arr. Laurie Binns). Das unbeschwerte, beschwingte Thema wurde vom unterschiedlichen Klang der Register gefühlvoll gefärbt. Die Bassstimmen fielen durch ihr dynamisches und kraftvolles Spiel auf, das dem Ensemble Boden verlieh.

Können unter Beweis gestellt
Nach der Pause ging es zunächst mit festlichem Barock weiter, diesmal nach englischer Schule. «Trumpet Tune and Air» (Henry Purcell; arr. Elgar Howarth) bestand aus einer angeregten, lockeren Melodie, in welche ein ruhiges Intermezzo dazwischen trat.
Anschliessend wechselte der Stil zur Romantik. Im «Morceau Symphonique op. 88» (Alexandre Guilmant; arr. Tobias Geismann) trat Solist Gregor Kreyenbühl ins Rampenlicht, welcher gleichzeitig als Präsident und Ansager in Personalunion amtierte. Die Komposition bot dem jungen Solisten allerhand Möglichkeiten, sein ausserordentliches Können auf der Posaune unter Beweis zu stellen. Er überzeugte sowohl mit technischem Geschick als auch mit musikalischem Ausdruck. Letzterer war besonders gefordert, da das Solo Spannungsfelder zwischen düster-heiter, energisch-melancholisch und kraftvoll-sanft aufbaute.

Überraschender Marsch
Eine stimmungsvolle Melodie prägte «The Christmas Song» (Mel Tormé; arr. Christopher Mowat), welche von Dieter Koch, Flügel, interpretiert wurde. «Gopak» (Modest Moussorgsky; arr. Thomas Wyss) mag mit Attributen wie «verspielt, sphärisch, pfiffig» am ehesten beschrieben werden. Das Stück wurde vom EBE lebendig und dynamisch zum Besten gegeben.

Als Abschluss kam das Publikum in den Genuss eines aussergewöhnlichen Marsches. Der «March from Symphony No. 2» (Peter I. Tschaikowsky; arr. Dennis Wilby) hatte zwar die gewohnte Form, doch der Charakter war grundverschieden. Keine Spur von stolzen Themen oder kraftvollen Fanfaren. Es dominierten leise, weiche, nachdenkliche Töne. Vorzüglich gespielt, lebte das Werk durch seine Spannung und seinen Überraschungsgehalt. Als Zugabe verbreitete das EBE weihnachtliche Stimmung mit dem «Christmas Spirit» und «Stille Nacht».

Ambitiöse Auswahl
Das Konzert bot eine vielseitige und mutige Stückauswahl. Für die jungen, talentierten MusikerInnen bedeutete dies Herausforderung und Potenzial für ihre Weiterentwicklung.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Balance zwischen Herausforderung und Überforderung ganz stimmte. Angesichts der erneut verjüngten Besetzung war das Programm sehr ambitiös. Besonders die Werke aus Renaissance und Barock sind für ein Ensemble dieser Besetzung im Zusammenspiel und der Intonation höchstanspruchsvoll.
Zudem ist es nicht unwahrscheinlich, dass langjährige Konzertbesucher etwas Leidenschaft und Überzeugung vermissten. Dies soll jedoch die Gesamtleistung nicht schmälern. Eine Ausnahmeformation wie das EBE schürt halt entsprechende Erwartungen...