Erschienen im Entlebucher Anzeiger am 28.12.2002

Weihnachtskonzert des Entlebucher Brass Ensembles in der Pfarrkirche Wiggen

Von gewohnter musikalischer Brillanz

Am Mittwoch lud das Entlebucher Brass Ensemble unter der Leitung von Adrian Schneider zu seinem beliebten Weihnachtskonzert in Wiggen. Höhepunkt des Abends war ein Marimbaphonsolo, das der Komponist lwan Jenny selber vortrug. Das Ensemble wechselte, auf zahlreichen Registern seine Besetzung und stufte den Schwierigkeitsgrad seine. Darbietungen leicht zurück. Der Musikalität tat dies keinen Abbruch.

mf. Auch dieses Jahr führte das Entlebucher Brass Ensemble (EBE) in seinem Weihnachtskonzert seine Zuhörer durch diverse Epochen der Blasmusikgeschichte, Die Zeitreise wurde eröffnet im Barock mit der «Intrada» (Melchior Frank, arr. R. Harvey). In zwei Chöre aufgestellt, spielten die Gruppen im  Dialog die festlichen, feinen Melodien. Mit «Tambourin» (Francois Gossec arr. Garry Batten) wechselte das Ensemble zur Romantik. Der sanfte, verspielte Tanz wirkte leichtfüssig und unbeschwert.
Für die Besetzung eines Brass-Ensembles gibt es wenige, auf die Neuzeit beschränkte Originalwerke. Auch die Arrangements berücksichtigen nicht immer alle Register gleichermassen sen. Dies erfordert von Seiten des EBE Anpassungsfähigkeit, sodass einmal zehn, einmal elf oder alle zwölf Musikerinnen und Musiker auf der Bühne stehen. Im «Trompeten-Sextett» (Oskar Böhme) waren explizit sechs Musiker verlangt, wenn auch nicht ausschliesslich Trompeter. Sie glänzten mit ausdrucksstarkem, ausgeglichenem Spiel, mal ruhiger, mal beschwingter.

Wirbliges Intermezzo
Nach dem festlichen Einstieg löste das pfiffige «Trepak» (P. I. Tchaikovsky, arr. Thomas Wyss) die besinnliche Spannung. Eine beflügelte. Fanfare, angeführt von den Cornets, wechselte zu den tiefen Registern und zurück. Die Musikanten konnten ihre technischen Fertigkeiten unter Beweis stellen. Trotz kniffligen Läufen bewahrten sie den lockeren, erfrischenden Charakter der Komposition.
Mit dem «Music Box Polka» (Ronald Binge) und «Portsmouth» (traditional, arr. Michael Brand) betrat das EBE die Gegenwart. Bei beiden Unterhaltungsstücken gelang eine gelöste Interpretation. Nach einer Pause ging es mit festlichen Klängen weiter. Das sanft modernisierte Barockthema in «Trumpet Voluntary» (Jeremiah Clarke, arr. Michael E. Hopkinson) wechselte von einem Register zum nächsten. In den unterschiedlichen Darbietungen entwickelte sich das Thema Stück für Stück weiter. Das zweiteilige «Andante and Scherzo» (Percy E. Fletscher) lebte von den Gegensätzen. Während im Andante eine träumerische Melodie in sanftem Klang erstrahlte, kam das Scherzo flink und energisch daher.

Meisterstück von lwan Jenny
Ähnliche Kontraste vereinte der junge Escholzmatter Perkussionist Iwan Jenny in seinem Werk für Marimba und Band «Wooden Dramaturgy»: Ruhe, Erwachen und feurige Energie. Der Komponist trat selbstverständlich selber als Solist auf die Bühne. Während er sonst im EBE eher im Hintergrund das Spiel seiner Kollegen abrundet, trat er für einmal ganz in den Vordergrund. Mit einem ganzen Arsenal von Schlägern entlockte er dem übergrossen Xylophon die unterschiedlichsten Klangfacetten, von warmen, fülligen und runden Tönen bis hin zu feurigen, spitzigen Lauten. Ebenso breit wie die Klangfarben war seine technische Darbietung. In den temperamentvollen Passagen bestach er durch Präzision, während an den leisen Stellen seine eindrucksvolle Einfühlungsgabe zum Ausdruck kam. Das Publikum spendete begeisterten Beifall, welcher der Vorstellung und der Komposition gleichermassen galt.
Mit dem «Finale from Faust» (Charles Gounod, arr. Thomas Wyss) setzte das EBE einen leidenschaftlichen Abschluss unter das Weihnachtskonzert. Mit «Nights in white satin» und «Stille Nacht» (Franz Gruber, arr. Ray Woodfield) folgten gewohnt ruhige Zugaben, mit weichen sich das Ensemble in besinnlicher Stimmung verabschiedete. Wer das weihnachtliche Programm noch einmal hören möchte, bekommt am 2. Januar die Gelegenheit. Das EBE spielt um 17 Uhr in der reformierten Kirche Ottenbach.

Adrian Schneider verlässt das EBE
Dieses Jahr stand im EBE ein absehbarer Generationenwechsel an. Fünf langjährige Mitglieder verliessen das Corps. Die Lücken konnten mit jungen, hoffnungsvollen Talenten besetzt werden. Auf dem letztjährigen musikalischen Höhepunkt konnte die Formation deshalb nicht ansetzen. Die Musikkommission wählte weniger anspruchsvolle Literatur. Was blieb, ist die Technik auf hohem Niveau und die hervorragende Musikalität.
Ein zusätzlicher Wechsel wurde während des Konzertes kundgetan, derjenige von Dirigent Adrian Schneider. Die Nachfolge ist nach Aussage von Präsident Gregor Kreyenbühl bekannt, auch wenn sie noch nicht publik gemacht wird. Das Fortbestehen des EBE ist gesichert und für das Entlebuch ein Gewinn. EBE-Freunde dürfen sich weiterhin Pfingsten und Weihnachten für einen Konzertbesuch freihalten.

[Text: Markus Felder]