Erschienen im Entlebucher Anzeiger am 29.12.2001
Weihnachtskonzert des Entlebucher Brass Ensemble in der katholischen Kirche Wiggen
Das EBE bot am Weihnachtstag einen musikalischen Ohrenschmaus
Die katholische Kirche Wiggen war am Nachmittag des 25. Dezembers erfüllt von den festtäglichen Klängen des Entlebucher Brass Ensembles. In überwältigenden Darbietungen spielte die zwölfköpfige Formation unter der Leitung von Adrian Schneider vorwiegend Werke aus der Renaissance, dem Barock sowie der Romantik.
mf. Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit dürfen sich die Freunde klassischer Blasmusik auf das Konzert des Entlebucher Brass Ensembles (EBE) freuen. Dieses Jahr traten die jungen Musikanten mit ihrem Festtagsrepertoire bereits am 23. Dezember in Konolfingen auf. Darüber hinaus waren sie mit einem Satz aus der Feuerwerksmusik am Weihnachtsabend in der Sendung "Ländlerweihnacht" am Fernsehen zu bestaunen.
Barockes Feuerwerk
Unvermittelt und plötzlich ertönte der "Canzon Cornetto"
(Samuel Scheidt) im Kirchenraum. Das EBE hatte sich unbemerkt auf die Empore
begeben und das Publikum mit der festlichen Eröffnung überrascht.
Ebenso festlich, ja mäjestätisch, ging es weiter mit "Music for
the royal fireworks" (G.F. Händel). Zwar leuchteten in der Pfarrkirche
lediglich die kleinen Kerzen an den Christbäumen, doch die energiegeladene
Interpretation des EBE vermochte bei der Zuhörerschaft den Eindruck
eines pompösen Feuerwerks zu erwecken. Sämtliche Register - von
der Piccolo-Trompete bis hinunter zum Bass - meisterten die technischen
Herausforderungen mit Bravour. Auch das Zusammenspiel war präzise
und dynamisch, was einen wunderbaren Gesamtklang ergab.
Virtuoser Solist
In der "Sonata Nr. 1 in F-Dur" (Benedetto Marcello) stand weniger das
Ensemble als vielmehr Roger Müller am Es-Horn im Rampenlicht. Trotz
vorgängiger Beanspruchung drurch die Feuerwerksmusik, wo die Hörner
kraftraubende Passagen zu bestehen hatten, spielte der junge Solist locker
auf. Im viersätzigen Werk hatte er Gelegenheit, sowohl seine musikalische
Gestaltungsgabe als auch seine bewundernswerte Technik unter Beweis zu
stellen.
Was G.F. Händel für einen königlichen Empfang dachte,
setzte das EBE für die Verabschiedung in die Pause ein: "The Arrival
of the Queen of Sheba". Dynamisch abwechslungsreich gespielt, beeindruckten
vor allem die flammenden Fortissmo zum Abschluss.
Stimmungen aus der Romantik
Nach feierlichen vier Sätzen aus "English Keyboard Music", ein Arrangement von traditionellen Renaissance-Tänzen, folgte ein Sprung in die Romantik. Das EBE spielte mit dem Duo aus "Jeux d'enfants" (Georges Bizet) und "Pavane" (Gabriel Fauré) zwei Werke mit ganz unterschiedlichen Stimmungsbildern. Das Erste zeichnete sich durch sinden unbeschwerten, lockeren Charakter aus. Die verträumten Melodien der beiden Solisten Angela Thalmann, Cornet, und Andreas Wicki, Euphonium, schwebten sanft über dem diskreten Begleit. - Anders die "Pavane": Schwermut war die
Grundaussage. Die musikalisch gezeichnete Melancholie wirkte poetisch, als ob der Komponist im Trübsal ebenso gerne schwelgte wie in fröhlichen
Hochgefühlen. Zwei tiefe Marccati auf dem Bass beschlossen das Werk. Anschliessend dankte Gregor Kreyenbühl, Präsident des EBE, in
einer kurzen, humorvollen Rede den Gönnern des EBE für deren treue Unterstützung.
Monumentale Komposition
Zum Abschluss des diesjährigen Weihnachtskonzertes stand "Das grosse Tor von Kiev" (Modest Moussorgsky) auf dem Programm. Wie das Bauwerk
wohl aussehen mag, welches der Komponist im Gesamtwerk "Bilder einer Ausstellung" vertonte? Wenn man nach der Musik gehen wollte, könnte man es sich
folgendermassen vorstellen: Das Tor von Kiew ist von wuchtiger, pompöser Statur. Ein solides Fundament trägt den wuchtigen, aus Marmor erbauten
Torbogen. Seine imposante Grösse strahlt Macht und Stärke aus. Totz seines wuchtigen Erscheinungsbildes zieren feinsinnige Stuckaturen
das Monument und zeugen von der adeligen oder gar königlichen Herkunft des Bauherrn.
Geprägt durch die prunkvolle Musik erschien nach der glanzvollen Interpretation durch das EBE der Kirchenraum gleich drei Meter höher.
Selbstverständlich entliessen die Musikanten nach dem grossen Tor von Kiew das Publikum nicht sogleich durch die kleine Pforte der Pfarrkirche,
sondern warteten mit zwei weihnachtlichen Zugaben auf: "Three Kings" und "Stille Nacht".
[Text: Markus Felder]