Erschienen im Entlebucher Anzeiger am 30.12.2000
Weihnachtskonzert des Entlebucher Brass Ensemble EBE
Das EBE bot einen musikalischen Hochgenuss
An Weihnachten verwöhnte das Entlebucher Brass Ensemble (EBE) in der Pfarrkirche Wiggen das zahlreich erschienene Publikum mit festlichen Klängen. Erstmals traten die jungen MusikerInnen dabei mit ihrem neuen Dirigenten Adrian Schneider auf, der das anspruchsvolle Programm mit ihnen bestens einstudiert hatte.
mf. Mittlerweile wird der 25. Dezember auf dem Kalender der Blasmusikliebhaber rot angekreuzt. Bereits seit Jahren erfreut das EBE die stetig wachsende Fangemeinde an diesem Datum mit musikalischen Leckerbissen. Das war auch dieses Jahr nicht anders, mit zwei kleinen Änderungen: Erstens ging das EBE unmittelbar vor Weihnachten fremd, indem es das Festtagsprogramm bereits am 23. Dezember im Schwarzenberg aufführte. Zweitens war das EBE erstmals mit ihrem neuen Dirigenten Adrian Schneider zu hören, der im Sommer Rolf Minder abgelöst hatte.
Als Auftakt gab das EBE das "Brandenburgische Konzert Nr. 3" (Johann Sebastian Bach) zum Besten. Das virtuose Werk zählt zu Bachs berühmtesten und verlangt hohe technische Fertigkeiten. Schliesslich gilt es, die im Original für Geigen geschriebenen Partien auf den Blechinstrumenten ebenso geschmeidig wiederzugeben.
In der traditionellen Weise "Greensleeves" fielen die voluminösen Partien besonders auf. Die zwei Musikantinnen und zehn Musikanten erschufen einen warmen, breiten Klang. Auch heikle Akkorde wurden spielend zum Stimmen gebracht. Wie bei einem Kartenhaus ist dabei die oberste Schicht oft die heikelste. Martin Bieri meisterte diese Aufgabe mit der Hoch-B-Trompete exzellent, indem er höchste Töne sanft auf den Akkord legte.
Hervorragende Soli
Beim folgenden Stück stand Martin Bieri als Solist, diesmal mit dem Cornet, im Mittelpunkt. Sowohl seine musikalische Gestaltung als auch seine tonlichen Qualitäten kamen in der "Ballade" (John Golland) zum Ausdruck. Als zweiter Solist trat später in der zweiten Konzerthälfte Andreas Wicki in den Vordergrund. Er füllte den Kirchenraum mit schwebenden Euphoniumklängen aus. Der Name des Solos "Peace" - Friede - (John Golland) passte bestens zur sanftmütigen Melodie. Im Einklang mit dem Solisten ergänzte die dezente Begleitung die Komposition zu einem Ganzen.
In "Antiche Danze ed Arie" (Ottorino Respighi) war viel Abwechslung angesagt, bevor das EBE die Zuhörerschar in die Pause entliess. Mit einem eigentlichen Wechselbad an Stimmungen folgten düstere Partien auf liebliche Melodien und kraftvolle Tutti-Stellen. In hektischen Zwischenspielen mit wilden Läufen vermochte wiederum die Hoch-B-Trompete besonders zu überzeugen, die mit ihrem klanglichen Glanz das Ensemble überstrahlte.
Klassische und traditionelle Literatur
Nach rhythmischer Einleitung durch das Schlagzeug startete das EBE mit "The Earle of Oxford's March" (William Byrd) in den zweiten Teil. Das barocke Gerüst bestehend aus fanfare-ähnlichen und virtuosen Teilen wurden vom Ensemble mit dynamischen Akzenten ausgeschmückt. Im traditionellen "David of the white rock" bewies Adrian Schneider, dass er nebst seinen Qualitäten als Dirigent auch das Zeug zu einem Arrangeur hat. Aufs EBE zugeschnitten setzte er die einfache Melodie kurzweilig in Szene. Er bearbeitete ausserdem für dieses Konzert "Antiche Danze ed Arie".
Mit drei weiteren Werken aus der Feder von Johann Sebastian Bach schloss sich der Kreis und der offizielle Konzertteil. Die festlichen Choräle "Gelobt sei der Herr mein Gott", "Wachet auf!" und "Nun danket alle Gott" passten vorzüglich zur weihnachtlichen Atmosphäre in der Pfarrkirche.
Darbietung auf höchstem Niveau
Das EBE vermochte das Publikum in Wiggen mit Qualitäten zu begeistern, die man sich von jeder Formation wünscht: Musikalischer Ausdruck, stilsichere Interpretation und dynamische Breite. Hinzu kommen die technischen Fähigkeiten jedes einzelnen kombiniert mit der Begabung, die eigene Stimme im Zusammenspiel zu einem Ganzen verschmelzen zu lassen. Die Zuhörerschaft überhäufte das EBE zum Dank mit kräftigem Applaus und erklatschte sich zum Abschluss drei Zugaben..
[Text: Markus Felder]