Erschienen im Entlebucher Anzeiger am 02.06.04

Sommermode und gute Musik wurden vorgeführt

Das Entlebucher Brass Ensemble lud am Pfingstsonntag zum Konzert – Das Thema «Cat Walk» wurde auf mehrfache Art variiert

Einmal mehr fanden sich die Freunde von hoch stehender Blasmusik am Pfingstsonntagabend im «Adler»-Saal in Schüpfheim ein. Das Entlebucher Brass Ensemble lud zu seinem Pfingstkonzert.

Empfangen wurde die Hörerschaft mit dem bekannten «Also sprach Zarathustra» von Richard Strauss im Arrangement von Corsin Tuor. Die Verstärkung der Basslinie mit einem Keyboard erwies sich als äusserst effektvoll und trug dazu bei, dass der klangvolle, lautstarke Schlussakkord bereits zum ersten Mal ein leichtes Grollen in der Magengegend oder eine Anwandlung von Hühnerhaut verspüren liess.

Thema Katzen

Die Fortsetzung des ersten Teils durfte, bezogen auf das Thema, als «Katzenjammer» bezeichnet werden. Das Konzertmotto des Abends (Cat Walk) wurde vom Ensemble nämlich in dreideutiger Weise dargeboten. «Cat Walk» ist einerseits der englische Begriff für Laufsteg. Übersetzt man jedoch die Begriffe einzeln, so heisst «Cat» soviel wie Katze und «Walk» laufen/marschieren. Und so drehte sich im erwähnten ersten Teil alles um die geliebten Büsi. Da war zum Beispiel «Mr. Jums», ein richtiger Schmusekater. So ertönte auch die Melodie geschmeidig und weich. Ganz im Gegensatz dazu markierten «Black Sam» oder «Borage» eher die frechen, hinterlistigen Tiere, was auch in Rhythmus und Artikulation deutlich zum Tragen kam. Das Ensemble verstand es, die Charakteristiken der Tiere aus dem Werk «Three Brass Cats» von Chris Hazell voll zum Tragen zu bringen. Gestochen scharfe Einsätze der Hoch-b-Trompete, aber auch die gefühlvoll vorgetragenen Cornetsoli oder die dunkel erklingenden Euphoniummelodien zeigten das .breite Klangspektrum des Ensembles eindrucksvoll auf.
Andrew Lloyd Webbers «Memory» aus dem Musical Cats stand als nächstes auf dem Programm. Einmal mehr verlieh das Cornetregister, das Flügelhorn oder das Es-Horn den getragenen Melodien ein überaus hohes Mass an Ausdruckskraft.
Nach den Dankesworten des Präsidenten Gregor Kreyenbühl ging der erste Konzertteil mit «Three more Cats» (Chris Hazell) zu Ende. Das Stück erzählt von Flora, Tubby Mousetrouser und Homepride, drei weiteren Katzen mit unterschiedlichen Charakteren, die im Stück durch die Bläser bestens zur Geltung gebracht wurden.

Spektakel auf dem Laufsteg

Nach einer kurzen Pause starteten die Bläser mit ihrem Dirigenten Ueli Wigger fulminant in den zweiten Teil. Mit «Prelude» aus Te Deum (Marc-Antoine Charpentier, arr. Dennis Wilby) ertönte die vom Fernsehen her bekannte Eurovisionsmelodie. Sie bildete den Auftakt für den folgenden Showteil. Das dreideutige Konzertmotto «Cat Walk» fand hier seine Fortsetzung, jetzt kam der zusätzlich zur Bühne erbaute Laufsteg ins Spiel. Auf diesem tauchten nämlich auf einmal, umrahmt von modernen Klängen aus den Boxen, vier Models auf dem Laufsteg auf und zeigten die neuste Sommermode. Moderator und Ansager Stefan Schärli erklärte die Kleidungsstücke in keckem, frechen Stil und leitete dann über zum nächsten Stück. In Howard Snell's «Exhibition Can-Can» erwartete man eigentlich die bekannte Melodie aus Offenbachs «Orpheus in der Unterwelt». Dieses witzige Arrangement mit viel Pfiff und Tempo wartete aber bis zum Schluss, also dann doch noch, vorgetragen durch den Es-Bass, das Can-Can Thema ertönte.
Nach einer weiteren Einlage der Models zeigte Ivo Distel sein grosses Können in «Stardust», einem Es-Horn-Solo von Hoagy Carmichael (arr. John Iveson). Sicher, selbst in den hohen Lagen des Werks, und technisch einwandfrei verzauberte der Solist das Publikum mit seinem herrlich weichen, runden Klang. Die wunderbare Melodie schwebte geradezu im Saal, untermalt von der dezenten Begleitung des Ensembles. Die Stimmung im Publikum erhöhte sich in der Folge schlagartig, und das nicht nur, weil auf dem Laufsteg die aktuelle Bademode präsentiert wurde. Die jazzige Bigband-Nummer «Light-Walk» von Barrie Gott (arr. Corsin Tour) stand nämlich auf dem Programm. Knackige Tuttistellen, frech vorgetragene Solos und gutes Zusammenspiel sorgten für das Feeling, das es braucht.
Zum letzten Mal betraten nun die Models in einer klassischen Robe die Bühne und verabschiedeten sich vom Publikum. Dies tat auch das Ensemble mit «Walkabout» von Ray Woodfield. Das Publikum konnte den Bläsern und ihrem Dirigenten dank dem grossen Applaus noch zwei Zugaben entlocken, bevor dann endgültig Schluss war.

Bravouröse Leistung und gute Show

Das diesjährige Pfingstkonzert des Entlebucher Brass Ensembles war die richtige Mischung zwischen gutem Brass-Ensemble-Sound und kurzweiliger Unterhaltung. Obwohl das Ensemble im Moment einen Generationenwechsel bestehen muss, hat es der Dirigent Ueli Wigger verstanden, diese Hürde zu meistern. Das gekonnte Spiel mit Dynamik und Artikulation lässt einige Ungereimtheiten in Sachen Intonation oder kleine Unsicherheiten von Seiten der Bläser vergessen. Stefan Schärli, der, zum Teil sogar singend, durch den Abend führte, sorgte dazu für den nötigen Witz und gute Stimmung. Von «Katzenjammer» kann also bestimmt nicht die Rede sein beim Entlebucher Brass Ensemble, wie dieser gelungene Konzertabend zeigte, und man darf sich auf weitere Auftritte der Truppe freuen. [Mn]