Erschienen im Entlebucher Anzeiger am 11.06.03

Pfingstkonzert des Entlebucher Brass Ensembles

Ein musikalischer Streifzug durch Paris

Das Entlebucher Brass Ensemble lud am Sonntagabend zum Pfingstkonzert ins Hotel Adler, Schüpfheim, ein. Unter dem Motto «Vive la France» trat die junge spritzige Band erstmals mit ihrem neuen Dirigenten Ueli Wigger vor heimischem Publikum auf.

ek. Mit animierten Tönen oder auf gut französisch «avec des sons animes» von Dirk Brossé lud das Entlebucher Brass Ensemble (EBE) die Zuhörerschaft auf einen eindrücklichen Streifzug durch die faszinierende Stadt Paris. Dabei gelang es der seit März von Ueli Wigger geleiteten. jungen Band ganz im Sinne der Komposition, Lust auf musikalische Abenteuer zu wecken. Präsident Gregor Krähenbühl der zu diesem spannenden Abstecher einladen hatte, erklärte, dass mit dem neuen Dirigenten zum ersten Mal vor heimischem Publikum musiziert werde. Das mit Georges Bizets viersätziger «Suite from l'Arlesienne» fortgesetzte Programm liess ungeachtet dessen erkennen, dass im EBE seriös und auf hohem Niveau gearbeitet wird.

Kontrastreiche Bilder und Charaktere
Ein Besuch der Notre Dame durfte auf dem ausgewählten Touristikprogramm des EBE ebenso wenig fehlen wie eine Charakterisierung einiger französischer Eigenheiten. Mit einem melodiösen Solo auf dem Cornet verlieh Daniel Haas in «Prière à Notre Dame» diesem Besuch eine besondere Würde. Das von Rolf Minder neuinstrumentierte Stück. welches Leon Boellmann ursprünglich für die Orgel geschrieben hatte, verfehlte als gefühlvolle, sichere Wiedergabe seine Wirkung nicht. Bedeutend eigenwilliger ging es darauf in der französischen Suite von Claude Debussy zu. Das von Helmut Egli arrangierte kontrastreiche Werk beschreibt mit wiederholten Wechsel von ganz tiefen und höchsten Tonlagen die Launen eines exzentrischen Generals. Die lebendige Gestaltung bedrohender, Angst, einflössender und sich wieder entspannender Momente der im Stück enthaltenen vier Sätze gab dem EBE die Gelegenheit, sämtliche Register seines Könnens zu ziehen.

Bezaubernde Herzensbrecherin
Nach der Pause konnte Katrin Scherer als charmant und kundig durch Paris führende Ansagerin zu den Szenen in den Bistros, und auf den Plätzen Bezug nehmen sowie über George Gershwins Vorstellung von einem Amerikaner in Paris sinnieren. Vom EBE in lockererem Tenue treffend charakterisiert, liess die von Daniel Guyot arrangierte Musik mit teils komisch wirkenden Passagen die Vorstellung eines etwas unbeholfenen, tapsigen Touristen zu. Zielstrebig zeigte sich indessen Angela Thalmann als Herzensbrecherin und bezaubernde Cornetistin im Solo «Salut d'amour». Als optisches Pendant zu ihrer starken Darbietung liess das dezent begleitende EBE rote Herzballons steigen.

Von prickelnd und belebend bis feurig
Für jeden Geschmack etwas versprach Goff Richards «Homage to the noble Grape». Ob prickelnd wie Champagner, reif wie. Chablis oder feurig wie ein Fundador - das EBE verstand es perfekt von allem eine Kostprobe zu servieren. Die jeweils typische Form der flüssigen Trauben wurde durch die verschiedenen Register virtuos und spritzig getragen sowie temperamentvoll präsentiert. Während Cornet und Flügelhorn den Champagner und Chablis beliebt machten. hoben Posaunen. Bass und Rhythmusinstrumente den Charakter des Fundador hervor. In einem von witzigen Pausen aufgelockerten kräftigen Schluss kamen nochmals sämtliche Instrumente zum Zug. Mit «Chanson d'amour» von Wayne Shanklin und Arrangeur Derek Ashmore beendete das EBE seinen spannenden Streifzug durch Paris. Als Zugaben gewährte es dem begeistert applaudierenden Publikum ein Werk von Claude Debussy sowie die von EBE-Mitglied Roger Müller arrangierte Marseillaise.