Erschienen im Entlebucher Anzeiger am 22.05.02

Gemeinschaftskonzert des Entlebucher Brass Ensembles und der Entlebucher Brassband

Brassmusik wurde in bunter Vielfalt und mit hoher Perfektion dargeboten

Am Pfingstsonntag lud das Entlebucher Brass Ensemble EBE traditionell zum Konzert in den «Adlersaal» in Schüpfheim. Im dritten Teil trat erstmals die im letzten Jahr gegründete Höchstklasse-Formation Entlebucher Brassband EBB auf. Beide Corps überzeugten durch feinfühlige Musikalität und begnadete Technik.

mf. Bereits um halb acht bildete sich eine Menschenschlange vor den Pforten des «Adlers» in Schüpfheim. Das EBE geniesst weit über die regionalen Grenzen hinaus einen exzellenten Ruf und ist für manchen Blasmusikfan ein Geheimtipp. Erst nachdem im prall gefüllten Saal die letzten Stühle hineingetragen und die letzten Gläser aus den Schränken geholt waren, trat das EBE unter der Leitung von Adrian Schneider auf die Bühne.
Die festliche «Fanfare la péri» (Paul Dukas) leitete den Konzertabend ein. In «Falstaffiade» aus «Die lustigen Weiber von Windsor» (Jan Koetsier, arr. Adrian Schneider) verkörperte der Solist Beat Felder einen Trunkenbold. In lautmalerischen Passagen mit beschwipsten Glissandi, wirren Trillern und schrägen Akkorden war der Lebenswandel der beschriebenen Figur herauszuhören. Der Solist glänzte mit seinem technischen Können. In den gemächlicheren Teilen brachte er seine Interpretationsgabe zum Ausdruck, stets sorgfältig unterstützt und ergänzt von seinen Musikkollegen.

Bühne frei für moderne Komponisten
In «Gymnopedie» (Eric Satie) stand eine romantische Melodie im Zentrum, klar und hell vom Es-Cornetisten interpretiert. Das Werk, ursprünglich für Klavier geschrieben, hatte im gleichförmigen Begleit seinen ruhenden Pol. Darüber bewegte sich die Stimmführung frei und scheinbar unbeeindruckt durch die tiefen Register.
Vor der ersten Pause stand «Mundus Juventutis» (Jan Koetsier) auf dem Programm, welches mit Welt der Jugend übersetzt werden kann. Es ist ein Teil des Musicals «Weltblech». Die Folge von modernen Melodien und dissonanten Akkorden einerseits sowie Melancholie und Harmonie andererseits kann als Ausdruck der Jugend verstanden werden. Sie strebt zwar in ihrer Vielfalt in neue, unterschiedliche Richtungen, erlebt aber dennoch den Willen nach Einigkeit.

Der Zauber von Fellini
In «Rota for Brass» (Nino Rota) liess das EBE den Reichtum an Gefühlen aus den Filmen von Federico Fellini aufleben. Das Arrangement von Adrian von Steiger ist eine Berg- und Talfahrt der Emotionen zwischen Sehnsucht, Wehmut und unbeschwerter italienischer Lebensfreude. Tempo- und Rhythmuswechsel sowie der Mix verschiedener Stilrichtungen verstärkten den Eindruck von einem farbenfrohen Potpourri. Eingeleitet mit einem Schlagzeugfeuerwerk von Iwan Jenny, frisch gebacknem Schweizermeister auf seinem Instrument, interpretierte das EBE mit kompaktem Sound und wunderbar swingenden Melodien «I got rhythm» (George Gershwin, arr. Roger Harvey). Obwohl selber hinsichtlich der Anzahl Mitglieder nur eine small Band, versprühte die EBE-Bigband Stimmung. Die «Bohemian Rhapsodie» (Freddie Mercury, arr. Corsin Tuor) bildete den Abschluss des zweiten Konzertteils. Gefühl und kraftvoll zugleich liessen die zwölf Musikanten den unvergesslichen Charakter des Bandleaders von Queen wieder aufleben. Mit der Zugabe «Grassauer Zwiefacher» verabschiedeten sie sich mit rassigen Tönen vom Publikum.

Imposante Premiere der EBB
Ein grosser Teil der Zuhörerinnen und Zuhörer war im Anschluss gespannt auf das erste Konzert der Entlebucher Brassband EBB unter der Leitung von Philippe Bach. «Come together» (Oliver Waespi) erzählt die Geschichte von der Spaltung einer Gruppe in drei Teile, die im Konflikt gegeneinander kämpfen. Erst durch einen versöhnlichen, ruhigen Zwischenteil finden sie wieder zueinander. Das Finaleertönt so in vereinten Kräften. Musikalisch umgesetzt war dieses Motiv deutlich herauszuspüren. Besonders beeindruckend war der Abschluss mit glänzenden Klängen der Cornets.

Musik mit und für höchste Ansprüche
Die «Paganini Variations» (Philip Wilby) enthalten 16 Variationen über ein Thema des berühmten italienischen Violinisten Nicolo Paganini (1782 bis 1840). Die geheimnisvolle Gestalt wurde mit dem übernamen Hexenmeister versehen. Vielleicht hätten auch die Musikanten dieses Prädikat verdient, welche sich durch die wirren, teils halsbrecherischen Passagen durchschlugen. Extreme Kontraste prägen die Komposition. Die Bandbreite reicht von düster bis erheiternd, von zurückhaltend bis majestätisch, von melodisch bis bizarr. Die Band meisterte die Herausforderung mit Bravour; Das musikalische Feuerwerk endete in einem ohrenbetäubenden fff, wo die geballte Kraft und das überdurchschnittliche Können jedes Einzelnen zum Ausdruck kam. Die Tatsache, dass die EBB ihren Konzertteil in drei Proben auf die Beine stellte, mag die Leistung noch beeindruckender erscheinen lassen.
Nicht weniger begeisternd, dafür etwas einfacher zu hören war «Gaelforce» (Peter Graham). Die irischen Melodien, bekannt geworden durch Musicals wie «Riverdance» oder «The Lord of the Dance», erfreuten das Publikum, welches die EBB nicht ohne Zugabe entliess. Der «Mid West Marsch» (J. J. Richards, arr. Derek Broadbent) setzte den Abschluss unter den grossartigen Konzertabend.

Entlebucher Brassband EBB
mf. Im letzten Jahr gegründet, hat die Entlebucher Brassband zum Ziel, jungen Talenten die Möglichkeit zu geben, in einer Höchstklass-Brassband in der Region mitzuspielen. Sie vereint mitunter die besten Blechbläserlnnen der Region, junge und gestandene, teils ehemalige Mitglieder des EBE, teils auswärtig wohnhafte Musikanten mit Entlebucher Herkunft. Die EBB ist kein herkömmlicher Verein, der sich zu regelmässigen Proben rund ums Jahr trifft. Sie arbeitet projektbezogen und organisiert Proben auf ein punktuelles Ziel hin, Im letzten Herbst war es der Swiss Open European Contest im KKL, wo die Band auf Anhieb den achten Rang unter 16 Topvereinen aus ganz Europa belegte, was Präsident Thomas Tanner, «nicht ganz ohne Stolz» verkündete. Ihr nächster Auftritt ist am Samstag, 25. Mai, anlässlich der Übergabe des Unesco-Zertifikates in Entlebuch.

[Text: Markus Felder]