Erschienen im Entlebucher Anzeiger am 06.06.01

Pfingstkonzert des Entlebucher Brass Ensembles (EBE)

Jung, spritzig und kreativ - ein Konzert mit nicht alltäglichen Neuheiten

Traditionsgemäss lud das Entlebucher Brass Ensemble zu seinem Pfingstkonzert. Die jugendliche Formation bot dem zahlreich erschienenen Publikum unter anderem mit drei Uraufführungen ein unterhaltsames Programm. Die Kombination von Brassmusik und Gesang erwies sich als äusserst reizvoll.

me. Bereits das Programm für das Konzert des Entlebucher Brass Ensembles versprach eine nicht alltägliche Blasmusikvorstellung. Die diesjährige Ausgabe des Pfingstkonzerts des EBE wartete mit eigens für diese Besetzung arrangierten Werken auf. Speziell erwies sich die Kombination mit Gesang. Bis fast auf den letzten Platz gefüllt war schliesslich der «Adler»-Saal am Pfingstsonntagabend. Über das Entlebuch hinaus war das Publikum nach Schüpfheim gelockt worden.
Im Eröffnungsstück «Les Soirées Musicales», das von Giaccino Rossini geschrieben und von Howard Snell bearbeitet wurde, zeigte das Entlebucher Brass Ensemble ein erstes Mal, wie scheinbar leicht und locker das Musizieren ist. Die Fanfare glänzte mit präzisen Einwürfen der verschiedenen Register oder Instrumente. Im zweiten Satz «A Caress for my Wife» schien Dieter Koch mit seinem Flügelhorn wirklich Streicheleinheiten zu verteilen, diesmal aber für die Ohren des Publikums. Der Bolero «L' Invito» mit seinen musikalischen Kapriolen zeugte hingegen nur so von Spritzigkeit.

Der Dirigent und der Schlagzeuger als Arrangeur
Die «Kurt Weill Suite» wurde vom gleichnamigen Komponisten geschrieben. In Klausur mit Bert Brecht wurde 1927 die bekannte «Dreigroschenoper» geschaffen. Aus der Suite spielte das EBE die «Moritat von Mecky Messer», die «Ballade von der sexuellen Hörigkeit» und das «Eifersuchtsduett», die speziell für diese Besetzung vom Dirigenten Adrian Schneider arrangiert wurden. So kam es im alterwürdigen «Adler»-Saal zur ersten Uraufführung des Abends. Den gesungenen Part übernahmen die Sopranistin Ines Schaffer und die Altistin Astrid Pfarrer. Das Publikum schien diese nicht alltägliche musikalische Kombination zu geniessen. «Puttin' on the Ritz» ist wohl die bekannteste Broadwaymelodie aus der «Irving Berlin Suite». Auch in diesem von Irving Berlin geschriebenen und von Howard Snell bearbeiteten Stück zeigte sich die junge Zwölfertruppe locker, leicht und mit viel Witz, ohne dabei die Soundqualität leiden zu lassen. Michel Camilos Funknummer «Not Yet» erlebte ebenfalls einen musikalischen Tapetenwechsel. Schlagzeuger Ivan Jenny arrangierte das Werk und zeigte dabei, dass er nicht nur von seinem «eigenen» Instrument etwas versteht. Nach diesem fetzigen Werk stand mit «Pavane pour une infante défunte» von Maurice Ravel (arr. Michael E. Hopkinson) ein ruhiger, getragener Gegenpol auf dem Programm. Choralartig beruhigend verbreitete sich der wärmende Klangteppich im Saal aus.

Enormes Klangvolumen
Mit «A Londoner in New York Part II» von Jim Parker wurde schliesslich zum letzten Höhepunkt übergeleitet. Adrian Schneider arrangierte speziell für Brass Ensemble und Gesang auch die «Suite from Westside-Story» von Leonard Bernstein. Gemeinsam mit Ines Schaffner, Astrid Pfarrer und Laurent Schutzlé (Tenor) wurde die dritte Uraufführung dieses Abends zu einer klangvoll fulminanten Schlussvorstellung. Die Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten mit ihrem kräftigen Applaus dann auch, dass sich solch musikalisches Neuland zu beschreiten auf jeden Fall lohnt. Zwei Zugaben wurden schliesslich vom Publikum gefordert, bevor sich die Musikerinnen und Musiker die verdiente Erfrischung (selber) holen konnten.