Erschienen im Entlebucher Anzeiger am 14.06.00
Pfingstkonzert des Entlebucher Brass Ensembles (EBE)
Mit 15 Jahren das erste "EBE-Baby" getauft
Eine Uraufführung und eine CD-Taufe sowie die Verabschiedung des langjährigen Dirigenten Rolf Minder standen - nebst der auf hohem Niveau vorgetragene Blasmusik - im Zentrum des diesjährigen EBE-Pfingstkonzertes.
rob. Das EBE-Pfingstkonzert hat mittlerweile Tradition. Jahr für Jahr füllt sich dam Sonntagabend des verlängerten Wochenendes der Schüpfheimer "Adler"-Saal mit (Blas-)Musikliebhabern quer durch die Generationen. Einmal mehr verwöhnte das gut Dutzend (das Adjektiv bezieht sich sowohl auf die Quantität wie die Qualität) junger und jüngerer Entlebucher Musiker seine Zuhörerschaft mit einem akustischen Ohrenschmaus. Ins abwechslungsreiche Konzertprogramm eingebettet waren heuer drei speziell Höhepunkte; für die "Musik" sorgten vom allem auch die Uraufführung von "Adam", die CD-Taufe und die Verabschiedung des Dirigenten Rolf Minder.
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Wenn heutzutage 15-jährige Kinder kriegen, wird gemeinhin von sehr jungen Müttern und Vätern gesprochen. Schon ziemlich getagt für sein erstes "Baby" ist hingegen das EBE. Erst anderthalb Jahrzehnte seit seinem Bestehen gebar die Formation ihren ersten Tonträger. Die vorgestellte CD beinhaltet zu Teil Live-Aufnahmen vom Weihnachtskonzert 1998 in Wiggen. Eingebaut in eine Sketch präsentierten alt Präsiden Jürg Bieri und Dieter Koch , der als CD-Geburtshelfer wichtige Dienste geleistet hatte, das rundliche EBE-Kind. Die "Taufe" wurde sinnigerweise mit einem Entlebucher Kaffee(-Träsch mit zwei Zucker) durchgeführt. Identische CD-"Klonen" gab es anschliessend ans Konzert zu selbst wählbaren Preis von 15 bis 20 Franken zu kaufen.
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Das Aussehen des EBE-Babys überraschte weniger als sein Name: "Rolf Royce" transportiert Gediegenheit und Qualität einer edlen englischen Automarke ebenso wie den Vornamen des scheidenden Dirigenten, der mindesten als Mitvater des Neugeborenen zählt. Die gelungene Wortkreation entlockte nach ihrer Bekanntgabe spontanen Applaus bei der Taufgästeschar.
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Zu einer Taufe gehört ja eine sogenannte "Schlotterte". EBE-Präsident Gregor Kreyenbühl versprach den Konzertbesuchern aber, dass niemand zu schlottern brauche. Es werde im Gegenteil "...ein heisser Abend, ein echte Alternative zu Big Brother". Tatsächlich hatte kaum jemand im Saal kalt. Ein wohliger Schauer oder sogar eine Gänsehaut wurde bei den Zuhörern höchstens während besonders gelungenen Konzertpassagen ausgelöst; dem Entlebucher Brass Ensemble gelang es, mit seinem harmonischen und bemerkenswert vollen Klangvolumen den berühmten Funken des öftern aufs Publikum überspringen zu lassen. Echt ins Schwitzen gerieten dabei höchstens de Darbietenden selbst, welche aber auch die anspruchsvollsten Stellen mit Bravour meisterten.
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"Auf das folgende Solo bin ich nun sehr gespannt" meinte ein junger Mann beim Blick aufs Programm, nachdem das EBE "Festmusik der Stadt Wien" (Richard Strauss) und "Russlan und Ludmilla" (Michael Glinka, arr. John Wasson) zum Besten gegeben hatte. Der dritte Programmpunkt gehörte Ueli Wigger. Der 25-jährige Es-Bassist in den Reihen des EBE hatte "Adam" komponiert. Doch damit nicht genug: Als Solist stellte der Schöpfer sein Erstlingswerk gleich selber virtuos vor. die Uraufführung des zum Teil sehr rhythmischen, dann wieder poetischen Stückes gelang ausgezeichnet, so dass der Premiere auf Verlangen des Publikums gleich eine "Sekondiere" folgte.
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Die Filmmusik "The Cowboys" (John Williams, arr. Corsin Tuor), "Einzug der Gladiatoren" (Julius Fucik, arr. Corsin Tuor), "Sir Duke" (Stevie Wonder, arr. Goff Richards), "Three more Cats" (Chris Hazell), eine von Alfred Lauss humoristisch arrangierte Fassung des bekannten "Radetzky-Marsches" von Johann Strauss sowie "Hello Dolly" (Jerry Herrmann, arr. Corsin Tuor) bildeten vor und nach der Pause die weiteren Teile des kurzweiligen Programmes. Eine Verlängerung des Konzertes erwirkte die gut gelaunte Zuhörerschaft mit drei erklatschten Zugaben.
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Als Dirigent Rolf Minder den Taktstock schliesslich niederlegte und seine Noten zusammenraufte, geschah dies - vor dem Entlebucher Brass Ensemble - zum letzten Mal. In den vergangenen acht Jahren hat er dem EBE sozusagen zur "zweiten Geburt" verholfen; seit 1992 erlebte die Formation nach grossem personellem Aderlass ihren Neuaufbau. Rolf Minder hatte die Direktion des EBE schon vorher einmal innegehabt. Dass er und die EBE-ler sich in dieser Zeit sowohl musikalisch wie freundschaftlich näher rückten, kam nicht nur während der originellen Verabschiedung zu Ausdruck. Für seine Verdienste soll er zum EBE-Ehrendirigenten ernannt werden. Seimen designierten Nachfolger Adrian Schneider wünschte Rolf Minder viel Glück: "Es lebe das Entlebucher Brass Ensemble!"
[Text: Rony Bieri]